Cyberspace, 3D Internet, Second Life: Wie sieht die Zukunft aus? (Interview mit YOUseeMEin3D.com)

Wednesday, 17th October 2007

Jan Northoff und Tobias Neisecke von YOUseeMEin3D.com, die Gründer von BERLINin3D.com (newBERLIN), sprechen über die Zukunft des Cyberspace.

Jan Northoff und Tobias Neisecke von YOUseeMEin3D.com in Berlin im Alexa-Einkaufszentrum am Alexanderplatz.

Was wird Web 3.0 sein?
Das Web 3.0 ist eine dreidimensionale Welt die mit dem Internet und dem Real Life verlinkt ist und mit allen Welten und Medien interagiert. Es ist das Bewusstsein dass Internet und Virtualität mehr ist als wir uns im Moment vorstellen können. Schon seit geraumer Zeit sind manche Vordenker  (Snowcrash, Matrix, Otherland) in der Lage die zukünftige Verschmelzung mit der Virtualität zu beschreiben.

Werden 3D-Welten wie z.B. Second Life im Jahre 2020 immer noch eine von ihren Bewohnern erdachte und erschaffene virtuelle Welt sein die sich im Besitz der Bewohner befindet?
Jedes Medium kann nur diese Information bearbeiten die es bekommt. Die Frage ist doch ob uns heute bereits irgendetwas Virtuelles gehört.

Jegliche Form von Webservice könnte theoretisch jederzeit eingestellt werden - somit sind die Informationen die wir im Internet hinterlassen definitv nicht in unserem Besitz. Man stelle sich die Auswirkungen vor wenn Google wegen so etwas banalem wie einem Börsencrash den Service einstellen muss.

User-created Content ist definitiv die Basis des Web 3.0. Wie sich das weiterentwickelt ist immer noch völlig offen und eigentlich auch nur eine Formsache. Second Life wird wahrscheinlich immer eine der bedeutendsten, kreativsten und offensten 3D-Welten sein. Es wird aber auch geschlossenere und komplett regulierte Welten geben, die es sich auch lohnt zu besuchen. Der Avatar als 3D-Zugangssoftware ist Bedingung für das Verbinden der Welten zum Metaversum. (Metaversum bedeutet die universelle Begehbarkeit und Durchsuchbarkeit von verschiedenen virtuellen Welten)

tobias-neisecke-youseemein3d-laptop-new-berlin-gruender-second-life.jpgWas könnte geschehen wenn virtuelle und reale Welt kaum mehr zu unterscheiden sein werden? Werden wir den Bezug zur 'wahren Wirklichkeit' verlieren?
Der Moment in dem beide Welten verschmelzen ist noch sehr weit entfernt. Wahrscheinlich wird der Mensch immer unterscheiden können mit welchem Medium er sich gerade auseinandersetzt. (Realität als Medium.) Es wird immer eine spürbare Künstlichkeit geben, die die Menschen greifen können und somit das Bewusstsein, die Realität von der Virtualität zu unterscheiden.

Es ist allerdings vorstellbar, dass im Moment wo Daten direkt ins Gehirn geliefert werden (wie z.B. im Science Fiction Film Matrix) das Bewusstsein getäuscht werden könnte. Wir glauben dass das Bewusstsein des Menschen sich an die neuen Gegebenheiten anpassen wird, und die immer geringer werdenden Unterschiede dennoch erkennen wird. Das kann soweit gehen, dass die reine Intuition entscheiden kann ob wir in der klassischen Wirklichkeit sind, oder in einer virtuellen Realität.

Zum Beispiel haben antike Hochkulturen Wissenschaft angewandt ohne deren Grundlagen überhaupt zu kennen. Der Mensch scheint die Fähigkeit zu haben, zu forschen und anzuwenden, ohne wirkliches Wissen zu besitzen. 

Abgesehen davon ist Realität nicht abhängig vom Medium, dass heisst im Moment wo ich in einer interaktiven virtuellen Welt Handlungen ausführe ist es immer real. Ueberhaupt gibt es eigentlich nur subjektive, persönliche Wahrnehmung, und sobald diese von anderen auch wahrgenommen wird, definieren wir sie als Realität.

Im weiteren glauben wir, dass das Internet (speziell Services wie von Google) uns geradezu 'aufsaugen' und somit zumindest teilweise unsere Gedanken und Gefühle abspeichert. Langfristig werden wir somit eine Art Unsterblichkeit erreichen…

Wie stark werden sich User mit ihrem persönlichen Avatar identifizieren?
Zu 100%. Der Avatar wird zur virtuellen Repräsentanz im externen virtuellen Bewusstsein. Beziehzungsweise der Normaluser wird mehrere Avatare besitzen. Zum Beispiel einen offiziellen Vertreter seiner selbst (Alter Ego), sein Business-Avatar den ich über die Firma erhalte, eine Art Spamavatar und ein Fantasie-Avatar.

Für viele wird der Avatar aber auch nur ein Werkzeug sein, wie zum Beispiel eine Email-Adresse, eine Handynummer oder ein Auto. Die Möglichkeit sein virtuelles Aussehen jederzeit frei zu gestalten kann auch ganz praktisch als Mittel zum Zweck benutzt werden.

Das Phänomen 'Furry' zeigt dass es Sinn macht, sein Wesen mit Hilfe von Tierattributen oder sogar abstrakten Zustandsbegriffen besser zu beschreiben. Natur und Tiere werden ja bereits seit Urzeiten als eine Art Medium benutzt. Generell könnte man sagen der Avatar trennt den Körper von Bewusstsein und Geist.

Wird es Sinn machen sich in Zukunft nurmehr mit einem Avatar in allen existierenden 3D-Welten zu bewegen?
Ja; wir warten auf die Technologie die plattform-übergreifend virtuelle Welten miteinander verbindet und sie fliessend durchschreiten lässt. Es wird schon länger konkret an einer Lösung diesbezüglich gearbeitet, siehe: Metaverse Roadmap.

Berlin, Shopping-Center Alexa beim Alexanderplatz: Headquarters von YOUseeMEin3D.comBereits heute verdienen sich einige User mit Geschäften in Second Life ihren Lebensunterhalt. Wie sieht diesbezüglich die Zukunft aus? Wird eher noch mehr Geld verdient werden können?
Die Goldgräberstimmung ist abgeflacht. Virtuelle Welten werden langsam erwachsen und ordnen sich neu. In Zukunft wird sich der Markt selbst regulieren. Die Wertsteigerung von virtuellen Gütern und Dienstleistungen ist überhaupt nocht nicht abschätzbar. Allein der Service- und Dienstleistungsbereich um die virtuellen Welten herum ist gigantisch.

Trotzdem gibt es noch immer riesige Sicherheitslücken; die virtuellen Welten sind häufig ausserhalb herkömmlicher Kontrollsysteme. Der Grund für dieses Problem ist das Fehlen eines vereinigenden, weltweiten Rechtssystems. 3D-Welten wie Second Life haben das Bewusstsein dieses Problems bereits hervorgerufen, und somit besteht hier die Chance eine Lösung dieses globalen Problems erzwingen zu können.

Betrug und kriminelle Machenschaften können nur schwer von rechtlichen Instanzen kontrolliert werden. Gambling ist zum Beispiel verboten worden, was zum Teil dramatische Auswirkungen auf Teile der Second Life Oekonomie hatte.

In welche Richtung wird sich das 'klassische 2D-Internet' bewegen? Wird diese Informations-Technologie überhaupt noch benötigt werden?
Es wird sicherlich weiterhin benutzt werden und stetig expandieren. Früher oder später wird es jedoch mit dem dreidimensionalen Internet verschmelzen. Das Ziel ist Information - aus welcher Quelle die schlussendlich kommt, ist dem User egal und medienunabhängig.

Mediengerechte Information bereitszustellen und findbar zu machen ist hier auf jeden Fall der Schlüssel zum Erfolg. So versuchen wir die Realitäten miteinander zu verschmelzen und so die jeweilige Technologie miteinander zu vernetzen.

Weitere Informationen zu Mixed Reality und 3D-Informationen basierend auf der geographischen Struktur unserer Welt gibts auf BERLINin3D.com. Diese virtuelle Stadt verschränkt realen Content mit einer freien virtuellen Welt.

(www.internet3d.org)
(Pics: Fun-da-mental online magazine ultrafeel.tv)

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3D Internet - Second Life: Erzeugt es Sucht und Flucht vor der realen Welt?

Monday, 17th September 2007

Werden sich die Menschen in ein virtuelles Dasein flüchten?
Bereits jetzt werden Stimmen laut, dass Menschen die genug haben vom "First Life", in die neue, perfektere 3D-Cyberwelt flüchten werden. Sie werden ihr Leben lieber in dieser Schein-Welt leben wollen - ganz ähnlich zum Film Matrix indem ein Protagonist lieber in der virtuellen Welt bleiben möchte, obwohl er entdeckt hat, dass diese eben nicht die 'echte' Welt ist.

Verdrängen wir mit unserem Aufenthalt in den phantastischen 3D Welten unsere wahren Probleme?
Bereits wird in Chaträumen diskutiert dass "die virtuell gezeugten Babies die alternde Bevölkerung nicht erhalten werden können…" oder "die Drittwelt-Länder werden nichts von diesem Schein-Dasein haben, sie hungern weiterhin in ihrem Schattendasein vor sich hin - ganz egal ob mit oder ohne 3D und Dolby-Surround…"
Immerhin: "Unsere Kinder gehen nicht drauf wenn sie ihren Avatar fixen lassen und damit nicht selbst auf der Strasse verenden…!"

Der Aufenthalt im dreidimensionalen Web 3.0 wird für viel unzweifelhaft zu einer Sucht werden
- wie viele andere angenehme Dinge im realen Leben ja auch. Das 3D-Internet erlaubt uns Gott zu spielen, wird werden virtuell unsterblich sein. Wir alle können uns unseren Avatar (unser virtuelles Ich) nach unseren ureigensten Wünschen und Träumen zurechtdesignen - das Leben wird endlich zu einer Art Wunschkonzert! Wahrscheinlich verhält es sich aber wie mit anderen Süchten: Viele Menschen gehen mal ins Casino, probieren einen Extremsport aus, haben Sex, experimentieren mit Drogen - dennoch entwickelt nur ein Bruchteil von uns eine Abhängigkeit.

Fördern 3D-Welten die soziale Kompetenz?
In virtuellen Welten wie Second Life ist Kommunikation oft wichtiger als die 'Spielhandlung' selbst. Deshalb kann der Aufenthalt im Cyberspace soziale Kompetenzen fördern und erfordern.

Die Heilung von der Cyberspace-Sucht
Es wird immer Randgruppen geben die sich von gewissen Süchten nicht lösen können. Im Falle von Cyberspace-Sucht dürfte dann aber nur ein längerer Aufenthalt im Real Life helfen: Nirgends ist der Sound so fett und die Grafik so hochauflösend wie im Real Life…

(www.internet3d.org) 

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Philip Rosedale über seine virtuelle 3D-Welt Second Life

Thursday, 14th June 2007

Philip Rosedale - Founder and CEO of Linden Lab. Second Life.Philip Rosedale, Chef von Linden Lab und Schöpfer der 3D-Welt Second Life über die Faszination der virtuellen Welt.

Rosedale's interessanteste Antworten aus einem Interview mit Jörg Rohleder im 'Vanity Fair' vom 15. März 2007:

Was ist der Sinn des Lebens in Second Life?
Philip Rosedale: Keine Ahnung, ich bin Physiker, kein Philosoph. Ich bin dennoch fest davon überzeugt, dass uns Second Life bei der Suche nach dem Sinn des Lebens einen grossen Dienst erweisen wird.

Warum?
Second Life ist eine künstliche, abgeschlossene Welt, in der Leute teure Autos und schöne Uhren kaufen, ohne sie zu brauchen. Denn diese Uhren zeigen keine Zeit an, sehen nur gut aus. Eigentlich sind sie wertlos.

Der Sinn des Lebens in Second Life ist also Konsum?
Zumindest scheint das einer der liebsten Zeitvertreibe zu sein.

…neben Pixel-Sex, der auch ganz oben auf der Prioritätenliste steht.
Das hat mich weniger gewundert. Das konnte man schon bei der Entstehung des World Wide Web beobachten.

Was suchen die Menschen in Second Life, was fehlt ihnen im ersten Leben?
Ich denke nicht, dass die Leute in Second Life etwas suchen, das ihnen die Realität verwehrt. Aber sie finden etwas: kreative Freiheit. Jeder möchte kreativ sein. Die reale Welt kann das kreative Verlangen des Einzelnen anscheinend nicht befriedigen. Glaubt man Statistiken, dann nutzen die Bewohner von Second Life mehr als 30 Prozent ihrer Zeit in der virtuellen Welt dazu, irgendein Objekt zu bauen.

Welches Wachstumspotenzial sehen Sie für Ihre Welt?
Second Life wird so gross wie das Internet. Ich rechne mit mehr als 1.5 Milliarden Usern. Die Zahl der Benutzer, der Grundstücke und auch das Geldvolumen verdoppeln sich bereits alle 90 Tage.

Halten Sie es nicht für Zeitverschwendung, sich an einen virtuellen Strand zu legen, um einen digitalen Sonnenuntergang zu betrachten?
Nein, weil uns dies daran erinnert, wie es sich anfühlt, an einem echten Strand zu liegen. Aehnlich wie Ferienfotos, die wir anschauen, um noch einmal für einen Moment an den Strand zurückzukehren. Das ist das Geheimnis von Second Life: Nichts ist real, doch locken auch die virtuellen Dinge in uns Gefühle hervor, die wir aus dem ersten Leben kennen.

Sie geben der Menschheit eine zweite Chance. Und diese nutzt sie, um wieder eine konsumorientierte Klassengesellschaft aufzubauen. Erstaunt Sie das?
Nicht unbedingt. Anscheinend sehnen sich Menschen nach Struktur und Regeln. Vielleicht haben die Leute einfach Angst vor der Freiheit.

Offenbar können manche Bewohner von Second Life auch nicht ohne einen geregelten Tagesablauf auskommen. Stimmt es, dass es ein paar Deutsche waren, die ein Arbeitsamt gegründet haben?
Ja, das stimmt. Anscheinend ist bei den Deutschen der Wunsch nach Ordnung noch tiefer verwurzelt als in anderen Kulturen.

Was kann die reale Welt vom Pixel-Universum lernen?
Viel. Weil wir in der virtuellen Welt vorleben, was passiert, wenn Menschen ein Höchstmass an Freiheit geniessen. Die Welt wird besser.

Und der Mensch?
Der auch.

An dieser Fehleinschätzung scheiterte bereits Karl Marx.
Okay: Der Mensch ist gut, solange das Licht an ist.

Glauben Sie, dass es irgendwann einen Präsidenten in Second Life geben wird?
Nein. Vielleicht wird es für eine Insel oder einen Bereich so ein Amt geben, aber ich denke nicht, dass jemand über ganz Second Life herrschen wird, kann oder sollte.

Kontrollieren Sie gar nicht die Inhalte Ihrer Plattform? Was würde passieren, wenn sich beispielsweise ein Pädophilenring in Second Life einnistet, um Bilder zu tauschen?
Das würden die Nutzer mitkriegen und Alarm schlagen: So etwas widerspricht eindeutig Linden Labs Geboten, weil es anderen Menschen schadet. Grundsätzlich ist es jedoch schwer für uns, Missbrauch zu verhindern. Auf unseren Servern liegen 100 Terabyte Inhalte.

Die Avatare, die User-Verköperungen in der Virtualität, werden nicht älter. Ist Second Life eine Art digitaler Gral, der Quell ewigen virtuellen Lebens?
Second Life ist vor allem der nächste Schritt in der Entwicklung der Menschheit. Das Leben wird virtuell. Das steht für mich ausser Frage.

Das klingt sehr nach einer Hollywood-Phantasie wie im Film 'Matrix'.
Mag sein. Sicher ist, es wird einen Konflikt zwischen den beiden Lebensformen geben. Der fängt heute schon an.

Und das finden Sie gut?
Das ist Evolution.

Philip Rosedale ist sich ganz offensichtlich seiner Sache äusserst sicher. Voller Selbstbewusstsein glaubt er an 1.5 Milliarden Second Life User in der Zukunft. Vor Konkurrenz scheint er keine Angst zu haben… Second Life hat bereits heute schon praktisch eine Monopolstellung im Bereich virtuelle Welten. Streitereien wie z.b. bei Microsoft sind abzusehen.

Ernüchternd ehrlich seine Beobachtung dass Konsum und Cybersex die Lieblingsbeschäftigungen der User in der Parallelwelt sind. Auf der anderen Seite zeigt Rosedale auf was wir in der virtuellen Welt eigentlich wirklich wollen: Kreative Freiheit - und reale Gefühle, die eben auch durch virtuelle Dinge hervorgerufen werden können.

Als echter Visionär entpuppt sich Rosedale mit seinem Blick in die Zukunft: Das Leben von uns Menschen wird virtuell werden. Erste Konflikte zwischen dem realen und dem virtuellen Leben zeigen sich heute schon.

Vom Linden Lab Gründer und CEO Philip Rosedale werden wir in Zukunft noch viel hören.

(www.internet3d.org)

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